Elektronische Parkbremse (EPB) zurückstellen: so gehts!

Im Jahr 2001 wurde die elektronische Parkbremse eingeführt und hat seitdem in einer stetig wachsenden Zahl an Fahrzeug-Modellen Einzug gehalten. Die klassische, mechanische Handbremse findet dagegen immer weniger Verwendung – bei Modellen von Mercedes verschwindet entsprechend zunehmend die Fußfeststellbremse. Elektronik statt Mechanik führt allerdings auch zu einem erhöhten Wartungsaufwand: Bremsscheiben und Bremsbeläge lassen sich nicht mehr auf herkömmliche Art tauschen und erneuern. Durch ein sog. „Motor-on-Caliper-System“ – also einen Elektromotor am Bremssattel – werden die Bremskolben direkt angesteuert und sie drücken die Beläge gegen die Bremsscheiben. Diese per E-Stellmotor angesteuerte Electric Parking Brake muss bei der Wartung der Hinterachs-Bremsanlage angesprochen werden. Zur notwendigen Diagnostik verwendet man hierzu ein passendes Steuergerät.

die Vorbereitung

Zusätzlich zu einer elektronischen Parkbremse verfügen immer mehr moderne Fahrzeuge auch über einen Indikator, der über den Zustand der Bremsbeläge und das Erreichen der Verschleißgrenzen Auskunft gibt. Wird man vom Bremssystem über abgenutzte Bremsbeläge informiert, müssen ein paar entscheidende Punkte vor den Arbeiten an der Bremsanlage beachtet werden. Die Parkbremse verträgt etwa keine zu niedrige Spannung, also sollte die Fahrzeug-Batterie an ein Ladegerät angeschlossen sein, um die notwendige Mindestspannung zu garantieren. Eine einwandfreie Funktionalität des Steuersystems wird bei Arbeiten an der Bremsanlage vorausgesetzt. Kann die EPB problemlos aktiviert und wieder gelöst werden? Systemfehler sollten mit einer Diagnose bereits im Vorfeld ausgeschlossen werden. Das Fahrzeug muss zudem auf einer Hebebühne stehen, um Arbeiten an den hinteren Bremsen durchzuführen. Dazu muss die Zündung eingeschaltet, die Parkbremse deaktiviert und die Hinterräder demontiert sein.

Serviceanleitung: EPB öffnen

Zum Wechseln der Belege muss die elektronische Parkbremse geöffnet werden – also in die Servicestellung gebracht werden. Dann muss der Diagnose-Anschluss (Diagnostic Interface) des Fahrzeugs mit einem Service-PC/Notebook, Scanner oder OBD-Dongle verbunden werden. Steht die Verbindung, wird die Zündung aktiviert und das Diagnose-Programm gestartet.

Unser Anleitung ist in der Regel auf die meisten Servicegeräte anzuwenden. Diverse Menüpunkte/Arbeitsschritte können aber abweichen!

Das jeweilige Fahrzeug wird dann aus der Liste der Fahrzeuge gewählt oder es wird (wenn möglich) ein neues angelegt. Jetzt die zuletzt durchgeführte Diagnose wählen oder, falls erforderlich, eine neue starten. Das Dialogfenster „Wartung/in Arbeit etc.“ wird in der Regel angezeigt. Danach das entsprechende Bremssystem auswählen. Im Folgenden den Punkt „elektronische Parkbremse öffnen“ wählen und damit den Stellmotor auf dem Bremssattel in die geöffnete Ausgangsstellung zurückbewegen. Dieser Schritt muss zuerst erfolgen! Der Reset der Bremskolben sollte auf keinen Fall manuell erfolgen, da ansonsten kritische Beschädigungen der elektrischen Parkbremse und Verletzungen die Folge sein können. Aus Sicherheitsgründen sollte man zudem mindestens 30 Sekunden nach dem Öffnen der EPB warten und die Zündung ausschalten.

Wartung: Bremsbeläge und Bremsscheiben wechseln

Durch die Deaktivierung der EPB können jetzt die Bremskolben mittels geeignetem Werkzeug zurück in den Bremssattel geschoben werden. Im Anschluss können die Bremsbeläge oder/und die Bremsscheiben gewechselt werden.

Service: EPB schließen

Nach dem Austausch von Belägen und/oder Scheiben muss die Serviceposition der EPB wieder deaktiviert und die Parkbremse über das Diagnostik-Menü wieder geschlossen werden. Das Vorgehen hierbei ist analog dem Öffnungsvorgang der EPB:

  • Zündung einschalten
  • Interface anschließen
  • Fahrzeug und Diagnose wählen

Über den Menüpunkt „Wartung/in Arbeit etc.“ das Bremssystem wählen, dann via „elektronische Parkbremse schließen o.ä.“ den Stellmotor auf dem Bremssattel in die Ausgangsstellung zurückbewegen. Danach die Parkbremse rekalibrieren – also die Bremskolben auf die neuen Beläge und/oder Scheiben einstellen, damit die EPB einwandfrei arbeitet.

Finalisieren, Rekalibrieren und Beenden der EPB Wartung

Mit einem Diagnose-Tool kann die elektronische Parkbremse ohne großen Zeitaufwand und leicht (re)kalibriert, geöffnet und geschlossen werden. Dazu wird wieder im Diagnose-Menü das Menü „Wartung/Service etc.“ geöffnet und das entsprechende Bremssystem ausgewählt. Dann über den Unterpunkt „elektronische Parkbremse kalibrieren“ die automatische Kalibrierung starten. Danach startet die Prüfung des Systems und gegebenenfalls werden Hinweise und/oder eventuelle Fehler angezeigt. Wieder wird für die Dauer der Kalibrierung in der Regel eine aktivierte Zündung benötigt, aber keinesfalls ein laufender Motor!

Mit einem Klick auf „weiter/fortsetzen etc.“ wird nun die Neukalibrierung gestartet. Im Folgenden ist der Stellmotor der Parkbremse kurz hörbar und einige Sekunden später ist die Kalibrierung beendet. Mit einem Klick auf „O.K./abschließen etc.“ wird der Vorgang abgeschlossen und die Wartung der Bremsen ist durchgeführt. Zur abschließenden Kontrolle sollte ein erneuter Systemcheck gestartet werden. Dazu wird eine erneute, letzte automatische Diagnose durchgeführt und dabei auf Fehlercodes geachtet. Verläuft diese Abschluss-Diagnose problemlos, kann das Diagnose-Kabel getrennt und die Zündung ausgeschaltet werden. Danach werden die Räder wieder montiert und das Fahrzeug kann abgelassen werden.

Natürlich unterscheidet sich die Art und Weise von Fahrzeug zu Fahrzeug und von Diagnosetool zu Diagnosetool. Deshalb folgend noch ein paar Videos von gängingen Fahrzeugen und Diagnosegeräten wie VCDS, Carly & Co.

EPB elektrischen Bremssattel zurückstellen mit VCDS

EPB Elektrischen Bremssattel zurückstellen mit Carly

Elektrische Handbremse zurückstellen (EPB) VW AUDI SEAT SKODA

Opel Astra K – Feststellbremse Service-Modus | manuelle Methode

Mazda CX5 elektrische Parkbremse Servicestellung

Der folgende Hinweis ist unverzichtbar: tuningblog empfiehlt aus Sicherheitsgründen, alle Reparatur, Inspektions – und Wartungsarbeiten ausschließlich in einer Fachwerkstatt durchführen zu lassen! Zwar sind unsere Informationen nach bestem Wissen und Gewissen zusammengefasst, jedoch können wir keinerlei Haftung für die Inhalte übernehmen. Alle Angaben sind deshalb „ohne Gewähr“.

Zusammenfassende Informationen zum Thema:

Seit der Einführung der elektronischen Parkbremse im Jahr 2001 erlebten moderne Fahrzeuge einen Wandel von der mechanischen Handbremse zur elektronischen Version. Insbesondere Modelle von Mercedes verzichten zunehmend auf die herkömmliche Fußfeststellbremse. Mit dem Aufkommen der elektrischen Feststellbremse ist es aber unabdingbar, spezielle Verfahren zu kennen, um z.B. die elektrische Handbremse zurückzustellen. Beim Wechseln der Bremsbeläge oder Bremsscheiben stellt das Zurückstellen der elektrischen Bremse oft eine Herausforderung dar.

Ein besonderes Augenmerk ist dabei auf Markenspezifika zu legen: Wie man etwa die BMW elektrische Parkbremse zurückstellt ohne Tester oder die Honda Civic elektrische Handbremse zurückstellt. Werkstätten müssen inzwischen nicht nur die Bremskolben zurückstellen bei der elektrischen Handbremse, sondern auch sicherstellen, dass die Batterie die richtige Spannung hat und die Diagnostikwerkzeuge richtig eingesetzt werden. Bei einem VW, die elektronische Parkbremse zurückstellen erfordert oft spezialisiertes Equipment. Mit den heutigen Diagnose-Tools können viele der oben genannten Schritte einfach und effizient durchgeführt werden, solange der Techniker mit den Anforderungen des Fahrzeugmodells vertraut ist.

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geschrieben von
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