Original oder Plagiat? Kopierte Kfz-Teile schaden Fahrzeug & Fahrer!

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Produktpiraterie ist weltweit vertreten. Kopiert und gefälscht wird quasi alles, was Geld erwirtschaftet. Und das Milliardengeschäft macht auch vor Autoteilen keinen Halt, zum Leid der Autofahrer und Hersteller. Die Kopien scheinen auf den ersten Blick zwar günstiger, aber spielen mit dem Leben anderer. Deshalb sollte eine seriöse Werkstatt immer darauf hinweisen, nur originale Teile der Hersteller und Vertragspartner zu nutzen.

Alles kann gefälscht werden!

Bekannt durch gute Fälschungen sind Asien, Nordafrika und auch Osteuropa. Die täuschend echten Plagiate werden nicht nur auf diversen Märkten, sondern auch im Internet angeboten. Allerdings schaden gefälschte Prada-Taschen oder Adidas-Hosen, die teils weniger als 10 Euro kosten, in der Regel niemanden ernsthaft. Die Kleidungsplagiate schädigen lediglich den Unternehmen. Bei Autoteilen, die für die Sicherheit maßgebend sind, ändert sich diese Sichtweise aber. Setzen kopierte Autoteile ihren Dienst aus, können schwere Schäden am Fahrzeug entstehen oder gar einen Unfall verursachen.

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KFZ-Ersatzteile gegen Leben tauschen?

Plagiate und Fälschungen sehen zwar optisch meist identisch mit dem Original aus, bestehen aber in der Regel aus anderen Materialien. So wird etwa haltbares Leder gegen Synthetik getauscht. Oder eben die Bremsbeläge, die eigentlich aus Messing, Eisen und Kupfer, Antimon-, Molybdän- und Zinksulfide, Graphit und Siliziumkarbid bestehen. Zudem Fasern aus Glas, Gummi und – neuerdings – aus Carbon. Sie werden als Kopie oftmals aus Aluminium, Zink und weiteren günstigen Bestandteilen hergestellt. Die Ersatzteile korrodieren dann nicht nur schneller, sondern nutzen sich auch viel schneller ab. Das Sicherheitsrisiko ist zudem massiv erhöht und sie führen zu Fehlfunktionen im Fahrzeug. Ähnliches hat auch die Verkehrssicherheitsbehörde der USA (NHTSA) bestätigt. In ihrem Test wurden kopierte Airbags (kaum zu glauben, dass es das gibt) getestet. Der Test ergab, dass der Zündmechanismus mit Schwarzpulver versetzt wurde. Der Airbag explodierte bei dem Crashtest ähnlich wie ein Silvesterböller.

Bewusst gegen Originale!?

Das Unternehmen Ernst & Young legte einst eine große Verbraucherumfrage an. Diese zeigte, dass rund 55 % der Käufer bewusst ein günstiges Plagiat nutzen würden, da sie dadurch Geld sparen. Diese Umfrage zeigte gleichzeitig, dass Menschen kein versehentliches, sondern ein bewusstes Risiko eingehen. Allerdings ist den Menschen nicht bewusst, dass Fälschungen von Kfz-Teilen sogar im Nachhinein richtig teurer werden können, durch stets wiederkehrende Reparaturen oder ständige Erneuerung von Verschleißteilen, da eine minderwertige Produktion hinter den Ersatzteilen steht. Von weiteren Schäden am Fahrzeug oder Unfällen ganz zu schweigen. Dass besonders viele Fälschungen (Produktpiraten) im Internet vertreten sind, ist vielen bewusst.

Beliebt sind Felgen, Scheinwerfer, Zündkerzen, Bremsbeläge oder Filter. Dabei sind es nicht nur günstige Verkaufsplattformen von privaten Anbietern, sondern auch oft seriöse Seiten, die solche Teile verkaufen. Ähnlich wie auf Automessen, wo ebenfalls oft Plagiate angeboten werden. Die stichpunktartigen Kontrollen des Zolls reichen für eine umfassende Kontrolle nicht aus. Die gefälschten Ersatzteile kommen einfach auf dem Postweg oder über große Containerlieferungen zu uns. Oft werden die Teile in Asien gefertigt, wo die Verfolgung der Hersteller von Rechts wegen nahezu unmöglich ist. Und in vielen Ländern sind auch das Patentrecht oder der Markenschutz längst nicht so ausgeprägt und umfangreich wie bei uns.

So sieht ein „scheinbares“ Plagiat aus!

Scheinbar eine Fälschung sind diese BMW LCI-Rückleuchten für den 5er der Baureihe G30. Auf den ersten Blick identisch mit dem Original gibt es viele Anhaltspunkte, an denen man erkennen kann, dass es scheinbar Plagiate aus Fernost sind. Folgend der Unterschied zum Original:

  • Außen im roten Bereich der Leuchte fehlt der BMW-Schriftzug.
  • Ecken und Kanten der Leuchten sind eine Spur scharfkantiger.
  • Das Inlett hat einen Aufdruck mit einem Produktionsdatum (05.2019), an dem es das LCI-Fahrzeug seitens BMW noch gar nicht gab.
  • Innen sind keinerlei QR-Codes von BMW zu finden.
  • Ein billiges Zusatzkabel der Leuchte in der Seitenwand zur Verbindung mit der Rückleuchte im Heckdeckel ist vorhanden.
  • Die Rückleuchten scheinen sogar ein gefälschtes E-Prüfzeichen zu besitzen.
  • Nirgends findet sich der Name BMW auf den Leuchten.
  • Die Leuchten sind nicht exakt passgenau.
  • Die Zusatzteile (Dichtungen für die Heckklappe) sind nicht exakt passend.
  • Grundsätzlich wirkt besonders die Verarbeitung auf der Rückseite billiger.

Info: Zum Zeitpunkt des Schreibens war noch nicht abschließend geklärt, ob es sich tatsächlich um ein Plagiat handelt. Deshalb unsere Hinweise auf „scheinbar„.

Gefälschte Ersatzteile erkennen!

Bereits bei einem sehr niedrigen Preis sollten Käufer stutzig werden. Hier können Vergleiche mit OEM-Parts behilflich sein, um sich eine Vorstellung zu machen, was das Ersatzteil tatsächlich kostet. Auch fehlende Dokumente und Rechtschreibfehler sowie gefälschte Produktverpackungen (Abweichungen von Originalfarben, fehlende Stempel oder falsche Klebestellen) sind Hinweise auf Plagiate. Wer absoluter sicher sein möchte, kann über den Teilekatalog des Herstellers recherchieren. Auch kann es helfen, den Anbieter direkt zu kontaktieren und nachzufragen, wieso das gesuchte Produkt so preiswert angeboten wird. Eine professionelle Werkstatt kann ebenfalls Auskunft geben, ob das Ersatzteil eine mögliche Fälschung ist. Auch hier reicht bereits ein Foto des Artikels. Anbieter, die Ersatzteile für Kraftfahrzeuge anbieten, unterliegen strengen Regeln. So können Hersteller direkt kontaktiert werden, um herauszufinden, ob der Anbieter tatsächlich Vertragspartner ist und auch die Teile im Sinne des Herstellers verkaufen darf.

Der Kampf der Hersteller

Da die Plagiate immer besser werden, ziehen auch die Hersteller nach, um die originalen Teile besser zu kennzeichnen und Verbraucher zu schützen. Da Verschleißteile öfters ersetzt werden müssen, werden diese auch am häufigsten kopiert. Hersteller, die ihren Ruf auf dem Kfz-Teile-Markt schützen müssen, können es sich nicht leisten, mit mangelhaften Teilen in Verbindung gebracht zu werden. Mit speziellen Abteilungen, den Crime-Units, nehmen die Hersteller aktiv den Kampf gegen Plagiate auf. Die Mitarbeiter durchsuchen bewusst Verkaufsplattformen, Messen und auch verschiedene Märkte, um Plagiate zu finden und zu stoppen.

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Schutz mit Codes und Siegel

Die Technologien der Hersteller werden immer komplexer: Hologramm-Drucke, Codes und Prägungen sowie Chargen-Nummern werden nicht nur auf Produktverpackungen, sondern auch auf den Teilen selbst hinzugefügt. Dadurch wird es Fälschern schwer gemacht ein Produkt zu plagiieren. Händlern und Verbrauchern wird es dadurch erleichtert, Fälschungen schneller zu erkennen. Große Hersteller von Kfz-Ersatzteilen haben sich durch die „Manufacturers against Product Piracy” (MAPP) zusammengeschlossen, um weitere Sicherheitsmaßnahmen einzubinden. Die Codes können sowohl per App oder über die Website abgerufen und überprüft werden, um ein Ersatzteil genau zu identifizieren und zurückzuverfolgen.

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Die Folgen von Plagiaten

Wer eine Fälschung im Auto besitzt, geht nicht nur die Gefahr ein, schwere Unfälle zu erzeugen, sondern wird teils hart bestraft. Besonders dann, wenn die Fälschungen bewusst eingesetzt wurden, kann dies sogar mit Haftstrafen geahndet werden. Die TÜV-Plakette kann bei der nächsten Inspektion nicht nur verweigert, sondern das Fahrzeug kann eingezogen werden, sofern ein Autoersatzteil nicht genehmigt und unzulässig verbaut wurde. Anders sieht es bei der Versicherung aus. Diese muss beweisen, dass das Plagiat mit einem möglichen Unfall in Verbindung steht. Die Gutachten und die Aufarbeitung sind aber oft teurer als der Schaden und ungewiss. Sollte die Versicherung allerdings einen Zusammenhang erkennen (beispielsweise durch gefälschte Bremsen) müssen die Halter dafür haften. Zusätzlich folgt oftmals auch noch eine Anzeige gegen das Markenrecht. Wer mit gefälschten Produkten erwischt wird, wird in Deutschland aber eher selten bestraft. Der Besitz von Plagiaten ist nämlich nicht verboten, sondern nur der Weiterverkauf. In anderen europäischen Ländern sieht es anders aus, da hier schnell Geldstrafen folgen können.

Sicher aber günstig an Ersatzteile

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Wenn jemand bei Verschleiß- und Ersatzteilen wirklich sparen möchte, und dabei die Sicherheit nicht vernachlässigen will, kann er sich verschiedene Original-Ersatzteile von seriösen Drittanbietern liefern lassen. Hier ist es gut zu wissen, dass die Autohersteller zwar die Teile einbauen und nutzen, aber nicht gleichzeitig die Ersatzteile herstellen, sondern in der Regel ebenfalls von Zulieferern erhalten. Diese Zulieferer können auch an Privatpersonen Ersatzteile liefern. Die Zulieferer sind häufig Firmen, die auch die Originalteile vertreiben dürfen. Die Zulieferer bieten die Ersatzteile zudem oftmals etwas günstiger an, da kein großer Name eines Autoherstellers für den Verkauf genutzt wird. Verbraucher können so günstiger an Ersatzteile kommen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, in Kfz-Werkstätten nach generalüberholten Ersatzteilen zu fragen. Diese werden professionell aufbereitet, gereinigt und auf ihren Funktionen hin überprüft. Diese Ersatzteile sind zugelassen und dürfen weiterhin verwendet werden. Durch die Aufbereitung der Ersatzteile liegt die Gewährleistung in der Regel bei der eines neuen Ersatzteiles.

Ein Teilegutachten / eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) sind bei zugelassenen Teilen übrigens Pflicht und dürfen nicht fehlen. Aber auch hier sollte man genau hinschauen und etwa auf eventuelle Anzeichen einer Fälschung achten wie die Qualität des Drucks, das Papier, die Rechtschreibung, etc.

Pruefbericht Teilegutachten Einzelabnahme Tuning 36

Das war es natürlich längst noch nicht gewesen.

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