Montag , 26. Juli 2021
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Oldtimer-Nachrüstungen – was sollte man nicht machen?

Lesezeit ca. 7 Minuten

Porsche 550 Spyder Oldtimer 20 Oldtimer Nachrüstungen   was sollte man nicht machen?

Wer einen Oldtimer erwirbt, wird früher oder später vor die Frage gestellt: aufrüsten oder im Originalzustand belassen? Viele Fahrzeugbesitzer entscheiden sich prinzipiell gegen ein Tuning und auch gegen den Einbau eines Navigationssystems oder einer Servolenkung. Manche machen aber genau das Gegenteil. Aber hat das Aufrüsten eines Oldtimers Einfluss auf dessen Wert? Und hat es möglicherweise Auswirkungen auf den Erhalt des H-Kennzeichens? Diese Fragen klären wir im Folgenden auf.

das H-Kennzeichen

Das H-Kennzeichen wurde 1997 eingeführt, um Automobile als Kulturgut zu schützen. Die Fahrzeughalter*innen tragen mit den Fahrzeugen nach § 23 StVZO zur Erhaltung des Kulturguts bei und erhalten insofern Steuererleichterungen. Bevor das Fahrzeug das H-Kennzeichen bekommt, ist eine besonders genaue Prüfung notwendig und der Einhalt genau festgelegter Kriterien. Inwiefern und ob der aufgerüstete Oldtimer als schätzenswertes Kulturgut zählt, liegt im Ermessen des jeweiligen Gutachters. Grundsätzlich sollte sich das Fahrzeug in gutem Zustand befinden. Der Fokus liegt dabei oft auf einer ordentlichen Restauration, die aber kein Muss ist. Sollte die Beurteilung dem Gutachter Schwierigkeiten bereiten oder man selbst gegen eine Ablehnung Einspruch erheben, kann der Fall auch gerichtlich entschieden werden.

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Im Prinzip ist das Gesamterscheinungsbild des Autos am wichtigsten. Jedoch gilt jeder Umbau als sicher, der während des Serienverlaufs des Fahrzeugs möglich war, auch wenn die Veränderung erst später verbaut wurde. Es wird also viel Wert auf Authentizität gelegt. Inwiefern diese wiederum beurteilt wird, hängt vom Prüfer ab.

Hauptsache authentisch – die Optik

Generell gilt, dass das Fahrzeug im Hinblick auf Farben und Stil so lackiert sein sollte, wie es zeitgenössisch damals war. Moderne Elemente, wie eine glitzernde Folierung, goldene oder leuchtende Felgen sind daher an Autos aus den 50er und 60er-Jahren eher fehl am Platz. Das Gleiche gilt für Spoiler, wenn diese nicht standardmäßig schon am Fahrzeug vorhanden waren (zum Beispiel bei einem Opel Manta, BMW M3, Mercedes 190 EVO etc.) oder in der entsprechenden Dekade nicht unüblich waren.

1965 Mercedes Benz W110 E30 BMW Motor Tuning 9 Oldtimer Nachrüstungen   was sollte man nicht machen?

Servolenkung im Oldtimer nachrüsten?

Eine Servolenkung ist für uns heute eine Selbstverständlichkeit, aber vor wenigen Jahrzehnten war diese in den meisten Autos unüblich. Von einer Servolenkung auf keine umzusteigen, ist daher für die meisten eine große Umstellung. Den Oldtimer mit diesem nützlichen Gadget aufzurüsten, ist daher sehr verlockend. Allerdings ist der Einbau einer Servolenkung bei historischen Modellen eher nicht geduldet, wenn das Feature nicht schon in der ursprünglichen Version damals lieferbar war. Die einzige Ausnahme bildet eine medizinische Notwendigkeit. Ist es dem Fahrzeughalter oder der Fahrzeughalterin aus körperlichen Gründen nicht möglich, ein Auto ohne Servolenkung zu bedienen, ist der Erwerb eines H-Kennzeichens trotz Modifikation am Ursprungsmodell möglich. Alle anderen müssen sich an die fehlende Servolenkung wohl oder übel gewöhnen.

Gurte und Kopfstützen im Oldtimer nachrüsten?

Kopfstützen und Sicherheitsgurte gelten für alle Oldtimer vor den 60er-Jahren als Zubehör, da sie damals noch nicht verpflichtend waren. Allerdings stellen sie einen hohen Sicherheitsaspekt dar. Neue Kopfstützen sollten aber in jedem Fall zum Design des Interieurs passen, allerdings gibt es bei Sicherheitsgurten keine optischen Vorschriften, da Sicherheit in diesem Fall vorgeht. Hier können auch spezielle Gurte, wie der Dreipunktgurt eingebaut werden. Allerdings ist hier auf einen fachgerechten Einbau zu achten.

1988er BMW M3 E30 mit zeitgenoessischem Tuning 13 Oldtimer Nachrüstungen   was sollte man nicht machen?

Neue Reifen und Felgen am Oldtimer nachrüsten?

Bei Reifen und Felgen ist oft das Problem, dass die originalen Modelle nicht mehr erwerbbar sind – teilweise aus einfachen Sicherheitsgründen. Grundsätzlich kann man sich daran orientieren, dass Größe und Breite mit den originalen Reifenmodellen übereinstimmen sollten. Die Kompatibilität zwischen Auto und Reifen muss allerdings von Reifen- oder Autohersteller mit einem Dokument bestätigt werden, sonst kann es auch hier Probleme geben. Die Crux ist nämlich, dass unter Umständen der Kilometerstand, der im Tachometer angezeigt wird, nicht korrekt ist. Bei veränderter Größe der Reifen erhöht sich nämlich immer auch der Abrollumfang. Sind größere Reifen angebracht, wird im Tachometer also ein geringerer Kilometerstand angezeigt, als man tatsächlich gefahren.

Motortuning am Oldtimer?

Beim Motor-Tuning gilt: Modifikationen am Motor müssen mit dem Zustand oder den Möglichkeiten der dem Auto entsprechenden Dekade übereinstimmen. Wenn ein Umbau innerhalb der entsprechenden Zeit möglich oder üblich war, kann dieser auch heute noch vorgenommen werden. Wenn es aber eine Technik ist, die die Möglichkeiten der damaligen Zeit übersteigen, wie beispielsweise ein Turbo-Kit, dann ist das mit dem H-Kennzeichen nicht im Einklang zu bringen. Auch ein Engine-Swap kann machbar sein, wenn er der damaligen Baureihe entsprach. Bei einem BMW 316i der Baureihe E30 kann also durchaus, statt des 1,6er Motors, ein 2-Liter aus dem E30 Modell 320i verbaut werden. Und auch Tuning ist daran erlaubt. Zum Beispiel mit einem Fächerkrümmer. Den gab es damals, nämlich am 3er BMW ziemlich oft. Und nimmt man die Änderungen erst jetzt vor, dann ist das kein Problem. Denn damals wurden die Triebwerke so modifiziert. Aber es müssen zeitgemäße Bauteile verwendet werden, die auch vom Werk freigegeben waren.

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„Originalbauteile“ aus der Zeit sind dabei nicht unbedingt gefordert, es können auch moderne Replikate sein. Zertifikate, die die Echtheit und Sicherheit der entsprechenden Teile belegen, sind an der Stelle viel wert, also unbedingt aufheben!

Schiebedach od. E-Sitze im Oldtimer nachrüsten?

Für Schiebedächer oder elektrische Sitze gilt ebenfalls die Faustregel: wenn in der entsprechenden Dekade üblich oder möglich, dann JA. Da diese Änderungen einen auffälligen optischen Eindruck hinterlassen, gibt es hier auch keine Kompromisse. Für Sitzheizungen gilt indes: wenn nicht sichtbar, dann ja. Allerdings ist der Einbau von Sitzheizungen in Oldtimern eher unüblich, da die meisten Modelle nur im Sommer gefahren werden und dann eher kein Bedarf besteht.

Navigation und Co. im Oldtimer nachrüsten?

Der Innenraum eines Oldtimers kann im Vergleich zu den modernen Interieurs unserer heutigen Fahrzeuge unter Umständen sehr schlicht anmuten. Umso größer ist also oftmals das Bedürfnis, die moderne Technik auch in die alten Kisten zu holen. Das kann unter Umständen aber dazu führen, dass man das H-Kennzeichen verliert oder gar nicht erst erhält. Daher sollte man genau wissen, welche Veränderungen zulässig sind, und welche nicht.

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Beim Innenraum kommt es hauptsächlich auf das Gesamterscheinungsbild an. Beim Einbau von Navigationsgeräten und Radios ist darauf zu achten, dass sie dem Gesamtlook des Armaturenbretts entsprechen. Handelsübliche Geräte sind daher ein No-Go. Es gibt aber viele Hersteller, die Modelle im Retrolook herstellen. Ein Beispiel ist das PCCM von Porsche, dass in zwei Varianten entwickelt wurde und passgenau die originalen Einbaugeräte mit 1-DIN oder 2-DIN Abmessungen ersetzt. Beim Einbau sollte darauf gedachtet werden, dass die Features genau da eingebaut werden, wo sich im Original auch tatsächlich das Radio befand. Wenn man sich an diese Regel hält, sollte man keine Probleme bekommen.

Einparkhilfe am Oldtimer nachrüsten?

Einparkhilfe dagegen gehen in keinem Fall. Die Sensoren am Fahrzeug verändern dessen Erscheinungsbild und sind daher am Oldtimer fehl am Platz. Das Gute ist jedoch, dass viele Oldtimer nicht so groß und unübersichtlich sind wie aktuelle Fahrzeuge. So hat man auch beim Ein- und Ausparken weniger Probleme und daher weniger Bedarf an einer Einparkhilfe.

Alarmanlage im Oldtimer nachrüsten?

Alarmanlagen, die nicht sichtbar angebracht sind oder andere elektronische oder analoge Vorkehrungen für den Diebstahlschutz stellen dagegen kein Hindernis dar, solange sie während der Fahrt nicht sichtbar sind. Das gilt natürlich, insbesondere für kleine NFC-Chips und ähnliche Möglichkeiten zum Schutz vom Klassiker.

abnehmbare Anhaengerkupplung Nachruesten Kosten Tuning Oldtimer Nachrüstungen   was sollte man nicht machen?am Oldtimer nachrüsten?

Anhängerkupplungen sind in den meisten Modellen als Zubehör verfügbar und waren oft als Nachrüstung üblich. Hier ist wieder lediglich darauf zu achten, dass sie für das entsprechende Modell geeignet sind und den optischen Standards der damaligen Zeit entsprechen.

Sticker, Aufschriften, Aufdrucke am Oldtimer?

Sticker, Aufschriften, Aufdrucke und Magnetbilder waren zu beinahe allen Zeiten ein beliebtes Werbemittel. Hier gibt es einen angenehmen Kompromiss der Gutachter: zum einen sind natürlich Werbungen für zeitgenössische Produkte generell erlaubt, allerdings können auch Firmen aus der heutigen Zeit beworben werden, wenn ihr Logo und der Stil der Botschaft den jeweiligen Trends der Zeit des Oldtimers entsprechen. Nicht nur müssen Stil der Schrift, Farben und Form der des Baujahrs entsprechen, auch moderne Hinweise, wie Links zu Instagramseiten, Facebook oder E-Mail-Adressen sind nicht zulässig.

Das war’s natürlich längst noch nicht gewesen.

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